wiener perspektive / offene Künstler*innenplattform

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ARTIST COMMONS DEKLARATION


artist commons intendiert einen ökologischen umgang mit bereits vorhandenen ressourcen, der andere werte und ressourcen jenseits der zirkulation von geld anerkennt.

artist commons ist eine intiative, die die zunehmende kapitalisierung von raum unterbrechen will und konkrete räume als labore der stadtgesellschaft zugänglich machen will.

artist commons will räume für frei produzierende künstlerinnen als arbeits- und präsentationsräume der künste und einer städtischen und diversen öffentlichkeit erschliessen.

artist commons räume sind zugleich der aushandlungsorte des aufeinandertreffens verschiedener öffentlichkeiten, überzeugungen und künstlerischen praktiken.

alle öffentlichen theater, museen, performanceräume und kunstzentren sind qua ihrer definition und praxis artist commons institutionen.

die stadt wien soll alle ungenutzen architekturen als artist commons zur verfügung stellen.

institutionen sollen räume, die temporär leerstehen, frei produzierenden künstlerinnen als artist commons räume zur verfügung stellen.

die künstlerinnen der artist commons verpflichten sich zum erhalt der räume, wie auch dem einspeisen ihrer möglichen ressourcen – die artist commons teilnehmenden verpflichten sich zu:

share and care and repair

artist commons besteht über selbstorganisation und der ständigen weiterentwicklung des wissens und der techniken der artist commons.

artist commons will diese initiative politisch und langfristig in wien verankern und auch von der politk verankert wissen (zb über einführung von entsprechenden paragrafen bei neuen verträgen) und als ein virales system über dem wiener stadtraum ausbreiten.

artist commons versteht räume, wissen, praxen sowie andere resourcen als teil der ökologie der artists commons

nach dem prinzip der artist commons von share and care and repair trägt jede teilnehmende künstlerin etwas zu den artist commons bei und entwickelt diese weiter.

als monatlichen aushandlungsraum gibt es eine commons assembly, die alle teilnehmende versammelt.

artist commons ist ein lern- und trainingsraum einer radikal anderen ökologie von ressourcen für unsere künstlerinnenschaft und stadtgesellschaft.

wir verstehen artist commons als beginn einer initiative, die sich über die belange und ökonomien der künstlerinnen breit in der gesellschaft verankern soll.

artist commons ist der erste praxisraum einer commons-bewegung.


Satelliten als kunstprojekte


Paradox 2
Die Infrastrukturen der Freien Szene werden mehr und mehr zentralisiert und von Häusern und Strukturen kontrolliert, was aufgrund limitierter Ressourcen wie Arbeitszeit, Teamgrößen, Präsentationsformen etc. zu vorgegebenen künstlerischen Formaten führt, sowie reduzierten Aufführung Serien.
Die Künstler*innen sind gezwungen, diese institutionellen Vorgaben zu erfüllen, obwohl ihre Aktivitäten die ursprüngliche Legitimation waren, warum die Häuser und Strukturen überhaupt entstanden sind. Flexibilität ist notwendig, um kreativen Prozessen künstlerische Freiheit zu geben.
arbeitsgruppe RAUM
neue räume für die kunst

teil 1
3 kunst satelliten für wien

wir künstler_Innen fordern neue strukturen für kunst, performance und theaterarbeit.
wir benötigen neue arbeits- und präsentationsräume um zeitgemäße kunst produzieren zu können. wir wollen gegenpole zu den existierenden institutionen schaffen und so eine umverteilung der entscheidungsgewalten in der freien szene bewirken, sowie die kulturelle landschaft wiens beflügeln.
wir wollen über diese räume ein dringend notwendiges gleichgewicht schaffen zwischen künstler_Innen und institutionen durch ermächtigung von künstler_Innen. wir künstlerinnen sind das kulturelle und transnationale profil dieser stadt.
es geht nicht um neue häuser.
es geht um flexible strukturen mit einem künstlerischen budget, die sich aufgrund künstlerischer formate transformieren und benutzen lassen.

wir wollen gesellschaftliche räume schaffen, in denen wir klassenübergreifend kontinuierliche beziehungen mit unserem publikum eingehen können, so wie wir voneinander lernen wollen .
wir wollen uns über die einsätze unserer kunst austauschen können, und die möglichkeit (wieder)erlangen uns mit unserem publikum auseinandersetzen zu können.  

3 sateliten
wir fordern 3 künstlerische raum satelliten, die sich an dezentralen orten befinden, und in der kooperationen von 3 künstlern und künstlergruppen ihr spezifisches künstlerisches profile entwickeln und aktiviert werden. diese künstlerInnen kooperativen betreiben  eigenverantwortlich und gemeinsam diese orte. jede temporäre künstlerische kooperative entwickelt  je ein eigenständiges konzept  und nutzungsstruktur für den jeweiligen satelliten für 3 jahre.
jeder satellit offeriert nach dem jeweiligen konzept strukturen und räume für die anderen künstlerinnen in der stadt.
die zeitgleichen profile der 3 satelliten sollten möglichst unterschiedlich sein, so dass sich ein dynamischer zwischenraum und künstlerisches profil in der stadt zwischen diesen orten bildet.
die drei satelliten kooperieren miteinander dh sie koordinieren premieren termine, ressourcen sowie know how.
das künstlerische profil der produzierenden künstlerInnen, sowie das jeweilige konzept jedes satelliten schafft künstlerische pole und zugleich kulturelle dynamik.

wir verstehen diese satelliten als räumliche aktivierer vor ort und zentren für die produktion der performativen künste und ihre unterschiedlichen produktionsweisen. wir benötigen diese satelliten, ebenso als orte für zusammenkünfte, sowie membranen des kontaktes mit der städtischen öffentlichkeit. wir benötigen niederschwellige und zugleich profilierte orte, an denen künstlerinnen verschiedener generationen sich austauschen können und ebenso eine (räumliche) basis schaffen für das teilen von wissen und informationen, sowie attraktiv ausstrahlen können in die jeweilige städtische umgebung.

wir benötigen neue und klare rahmenbedingungen für die freie szene, die der zeitgenössischen entwicklung angemessen sind. wir meinen das rahmenbedingungen auch von künstlerinnen und ihrer praxis besetzt und definiert werden  sollen, als ergänzung zu den bestehenden institutionen.
wir wollen geteilte produktionsbüros, orte für workshops und performance trainings. diese strukturen wollen wir nach nach unserem künstlerischen ermessen schaffen und miteinander betreiben und nicht top down verordnet bekommen, da wir von unserer fähigkeit der koordination, erfahrung und kompetenz nach langjähriger praxis in wien überzeugt sind, sowie über die notwendigen künstlerischen vision verfügen.

zeitplan und dimension
2019 könnte mit ein pilotprojekt beginnen, welches dann in den folgenden 2 jahren um je einen satelliten erweitert wird. dh 2019 satellit 1, 2020 satellit 2, 2021 satellit 3.
die dimension von orten, die wir im kopf haben sind das künstlerhaus im 5. bezirk oder aber das ehemalige postamt in der mondscheingasse. jeder ort sollte eine vielzahl verschiedener räume  anbieten um eine vibrierende produktions- und präsentation stätte zu werden.
je ort sollte eine fläche von ca 1500m2 zur verfügung stehen-
das budget je satellit läge bei 500.000 euro pro jahr.
wir wollen ein fixiertes budget für flexibilität
und die idee von 3 orten als nicht institutionelle kunstprojekte
räume für dynamische orte des austausches

satelliten als kunstprojekte
jeder satellit versteht sich als kunstprojekt
nicht als institution.
die satelliten sind gespeist von künstlerischen notwendigkeiten und bedürfnissen.
wir wollen die möglichkeit haben auf die politischen und urbane veränderungen reagieren zu können mit unserer kunst.  diese sateliten können uns den raum dafür bieten, der flexible auf künstlerische notwendigkeiten reagieren kann.  

kritische öffentlichkeit, orte der auseinandersetzung
unsere performance orte sind meist eher hermetische community- gebilde, die selten andere öffentlichkeiten jenseits identitäts politischer übereinstimmung erreichen mit sich sehr ähnelnden öffentlichkeiten. wir halten dies für ein problem welches die performativen künste empfindlich in seiner wirkung verringert. und die kraft unserer kunst schwächt.
wir sind davon überzeugt das performance räume orte gesellschaftlicher aushandlung sein müssen und wieder werden sollen.
wir möchten kulturelle brennpunkte schaffen, die auseinandersetzung wollen und dafür einstehen. wir wollen uns an verschiedene öffentlichkeiten, (auch die über 40 ) wenden. wir benötigen räume für ästhetische und politische diversität der überzeugungen. wir benötigen das wagnis von kontinuierlichen auseinandersetzungen.

wir möchten einen großteil der veranstaltungen mit freiem eintritt anbieten, der uns durch die förderung der stadt wien ermöglicht würde. diese würde einen niederschwelligen zugang in der näheren umgebung bedeuten , sowie eine lokale der jeweiligen satelliten.

wir verstehen performance als ästhetische bildung und zugleich labor unserer multikulturellen gesellschaft, ohne aber die therapie unserer gesellschaft für die politik zu übernehmen.
wir wollen verantwortung übernehmen, und gesellschaftliche wirksamkeiten erzeugen oder aber für politische agenden funktionalisiert zu werden
wir wollen durch das betreiben der 3 satelliten das kulturelle klima in dieser stadt verändern, damit bessere kunst in einer größeren öffentlichkeit kritisch rezipiert wird. wir wollen eine auseinandersetzung mit einem publikum, mit dem wir bisher nicht langfristig in einen austausch treten können. wir wollen lernen mit unserer öffentlichkeit, sie aktivieren, sowie andere experten, denker, künstler und praktiker zu diesem prozess einladen. wir halten unsere kunst, die auch eine kunst der versammlung ist, für eine wesentliche in dieser gesellschaft  

unsere künstlerischen position schaffen energiefelder in der stadt, die die orte für die  öffentlichkeit interessant machen, sowie durch deren dynamik zwischen verschiedenen position.
dafür können wir garantieren.



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